Wie viele Stunden bin ich denn eigentlich so täglich an meinem Handy? Welche meiner Apps sind die größten Zeitfresser? Ist das noch gut für mich, was ich da alles mache? Was sind die Nachteile, wenn ich zu viel Bildschirmzeit habe? Und wie beeinflusst die ständige Nutzung meines Smartphones, Tablet oder Spielkonsole meinen Alltag? Und was kommt vielleicht zu kurz?
Antworten auf diese und vielen weiteren Fragen suchte Clemens Beisel gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler aus Remchingen in seinen Workshops letzte Woche. Im Mittelpunkt stand nicht nur die Technik, sondern vor allem die persönliche Erfahrung der Jugendlichen´. Clemens Beisel versuchte freundlich, aber auch eindringlich klarzumachen, dass es wichtig ist, die Kontrolle über den Umgang mit den eigenen Daten nicht abzugeben. Aber auch die Eltern haben eine große Verantwortung ihre Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten. Spielerisch konnten die Schülerinnen und Schüler sich in Kleingruppen mit den Themen Bildrechten, Privatsphäre und Benachrichtigungsfunktionen auseinandersetzen. Mit dem eigenen Handy in der Hand wurde gemeinsam entdeckt, wie das eigene Smartphoneverhalten ist und welche Einstellungen dabei helfen können, bewusster mit dem Gerät umzugehen.
Am Gymnasium nahmen Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 6 am „Grundkurs Smartphone“ teil. Es zeigte sich schnell, wie unterschiedlich die Mediennutzung unter den einzelnen Schülerinnen und Schülern ist. Während einige an Schultagen nur wenige Stunden am Smartphone verbringen, kommen andere auf deutlich längere Nutzungszeiten von bis zu acht Stunden täglich. Besonders viel Zeit fließt dabei in soziale Medien. Zu den beliebtesten Anwendungen zählen WhatsApp, YouTube, Snapchat und TikTok. Dabei wurde auch deutlich, dass digitale Kommunikation nicht nur Chancen bietet, sondern auch Herausforderungen mit sich bringt. Einige Schülerinnen und Schüler berichteten von sehr umfangreichen Chatverläufen und zahlreichen täglichen – bis zu 500 – Nachrichten. Besonders sogenannte „Alle-rein-Gruppen“ – große WhatsApp-Gruppen, in denen viele Mitglieder jeglichen Alters sind, obwohl sie sich zum größten Teil nicht kennen – wurden thematisiert. Hier besteht die Gefahr, dass junge Menschen mit Inhalten konfrontiert werden, die nicht altersgerecht sind oder sogar rechtlich problematisch sein können.
In der Klassenstufe 8 des Gymnasiums stand der Aufbaukurs „Smart use“ auf dem Programm. Bereits bekannte Themen wurden aufgegriffen und vertieft, gleichzeitig kamen neue Aspekte rund um einen bewussten und sicheren Umgang mit digitalen Medien hinzu.
Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler an Clemens Beisel waren überwiegend positiv. Besonders die praktische und spielerische Herangehensweise fanden die Schülerinnen und Schüler toll. Sie konnten nicht nur zuhören, sondern mit dem eigenen Smartphone aktiv mitarbeiten. Gleichzeitig empfanden einige die Impulse des Medienexperten als zu kritisch.
Schulsozialarbeiterin Sigrun Pohnke erlebt in ihrer täglichen Arbeit, dass viele Jugendliche Risiken im digitalen Raum zunächst unterschätzen. Oft werde die Bedeutung erst dann erkannt, wenn sie selbst mit belastenden Situationen konfrontiert werden – etwa durch problematische Inhalte, Konflikte in Chats oder Erfahrungen, die sie noch lange beschäftigen.
An der Carl-Dittler Realschule war Clemens Beisel in der Jahrgangsstufe 5 zu Gast. Auch hier zeigte sich, dass einige Schülerinnen und Schüler bereits in „Alle-Rein-Gruppen“ hinzugefügt wurden. Herr Beisel thematisierte mit den Klassen die Risiken, wenn 600 fremde Personen die persönliche Handynummer besitzen und es nicht mehr nachvollziehbar und steuerbar ist, was mit den eigenen Daten geschieht.
Viel Zuspruch fanden die persönlichen Anwendungen in den App´s. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich unter anderem damit, wie sich Gruppeneinladungen einschränken lassen und wie sich eigene Nachrichtenaktivitäten sowie Bildschirmzeiten nachvollziehen lassen.
Spaß gemacht haben den Realschülern die spielerischen Elemente zum Schluss der Workshops. Bei einigen Schülern führten die Auseinandersetzung mit dem eigenen Nutzungsverhalten dazu, diese gemeinsam mit den Eltern genauer anzuschauen und mögliche Alternativen im Alltag zu besprechen.
Schulsozialarbeiterin Julia Reinhard weist zudem auf mögliche Begleiterscheinungen intensiver Mediennutzung hin, etwa Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen.
Das Ziel der Workshops ist hoffentlich bei vielen der Realschule und des Gymnasiums erreicht worden: Jugendliche sollen nicht auf die Nutzung digitaler Medien verzichten, sondern sollen lernen, bewusster, sicherer und verantwortungsvoller mit ihrem Smartphone umzugehen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bildschirmzeiten, Freizeitaktivitäten und ausrechendem Schlaf war die klare Empfehlung von Clemens Beisel an alle Jugendliche.
Text: Sigrun Pohnke und Julia Reinhard




